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	<title>Elias Hirschl, Autor bei Litauf!</title>
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	<description>Die Stadtbeschreiberin kommt!</description>
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	<title>Elias Hirschl, Autor bei Litauf!</title>
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		<title>Alles außer Grau &#8211; eine Art Nachtrag</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Elias Hirschl]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Dec 2022 18:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stadtbeschreiber Elias Hirschl]]></category>
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<p>Der Beitrag <a href="https://litauf.ruhr/alles-ausser-grau-eine-art-nachtrag/">Alles außer Grau &#8211; eine Art Nachtrag</a> erschien zuerst auf <a href="https://litauf.ruhr">Litauf! </a>.</p>
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<p>So jetzt aber. Seit knapp über einem Monat schieb ich es auf, diesen Text mal zu schreiben, aber es ist halt auch nicht einfach ein halbes Jahr zusammenzufassen, vor allem wenn man direkt nach diesem halben Jahr auf Tour geht. Jetzt hab ich mich aber endlich mal zusammenreißen können, auch weil ich es diese Woche endlich mal geschafft habe in das Deutsche Bergbaumuseum in Dortmunds Nachbarsadt zu gehen &#8211; ein Besuch, den ich seit über 7 Monate vor mir hergeschoben habe.<br>Ich weiß jetzt, dass es im Unter-Tagebau nicht nur sogenannte Grubenpferde gab, die man damals noch wie Gebrauchsgegenstände verschleißen ließ, um die Kohle zu transportieren (das letzte Grubenpferd, namens Tobias, wurde 1966 an die Oberfläche geholt und war eines der wenigen Grubenpferde, das tatsächlich noch einmal Tageslicht sehen konnten), sondern ebenfalls auch Mäuse und Ratten, die sich durch das Heu für die Pferde in den Bergbau einschleusten, wodurch es irgendwann notwendig war, auch Katzen in die Bergwerke mitzunehmen, sodass quasi eine kleine künstliche Mikrofauna unter Tage entstand. Ich weiß jetzt auch, dass man bis vor wenigen Jahrzehnten noch Neonröhren verwendete, die man mit Druckluft und einem Dynamo betrieb, um Funkenschlag durch elektrische Kabel und darauf folgende Kohlestaubexplosionen aka Schlagwetter zu vermeiden. Ich hab auch gelernt, dass es eine gar nicht so seltene Todesart war, auf dem Förderband einzuschlafen, das einen dann unwissentlich bis ins Kohlelager, den Bunker, trug, wo man ein paar hundert Meter abstürzen konnte und ein paar Tonnen Kohle gleich hinterher. Auch eine simulierte Seilfahrt, also einen Abstieg mit dem Förderkorb, samt Rütteln und Hitzesimulation hab ich jetzt hinter mir. Und das alles mit nur knapp über einem halben Jahr Verspätung. Ich will mich da auch gar nicht rausreden, dass ich das nicht früher gemacht hab, die Wahrheit ist einfach, ich bin wirklich ein sehr schlechter Tourist. Trotzdem, hier mal kurz ein Überblick: Was ist denn in dem halben Jahr Stadt(be)schreiber-Dasein so passiert?</p>



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<p>Ein halbes Jahr ist gleichzeitig extrem viel Zeit um sie wo zu verbringen, wo man vorher noch nie gelebt hat, und gleichzeitig viel zu wenig&nbsp;Zeit, um einen Ort wirklich kennen zu lernen.<br class="">Fangen wir mal so an: Was habe ich überhaupt in Dortmund gemacht? Eine berechtigte Frage, die mir des Öfteren gestellt wurde. Ich war&nbsp;Stadtschreiber, bzw. im Falle von Dortmund &#8222;StadtBEschreiber&#8220;. Das Konzept gab es zwar auch mal im Mittelalter, dort war es dann tatsächlich so eine Art eher technischer Chronist des dörflichen Lebens, aber heutzutage ist damit eine bestimmte Form des Aufenthalts-Stipendium für&nbsp;Schriftsteller:innen gemeint.<br class="">Im Falle Dortmunds ist es ein von der Stadt Dortmund ausgeschriebenes Literaturstipendium, durch welches man ein halbes Jahr vor Ort an einem&nbsp;literarischen Projekt arbeiten kann, sich mit der hiesigen Literaturszene auseinandersetzen und auch ein paar Auftrite absolvieren und Veranstaltungen kuratieren.</p>



<p>In meinem Fall habe ich mich zum Beispiel mit einem Roman-Projekt dort beworben, das grob auf einer fiktionalisierten Version des Ruhrgebietes&nbsp;aufbaut. Darüber hinaus hab ich dann drei Abende im Literaturhaus Dortmund hosten dürfen, daraus sind entstanden: Ein Spoken Word-Abend mit&nbsp;Temye Tesfu und Miedya Mahmood, ein Abend zu digitaler Literatur mit Selina Seemann, Fabian Navarro und Julia Nakotte, bei der letztere&nbsp;tatsächlich als Hologramm auftrat (heilige Scheiße wie geil war des) und eine Lesung mit der Wiener Autorin Katherina Braschel. Nebenbei durfte&nbsp;ich auch diesen Blog hier betreiben, in dem zugegeben eher unregelmäig aber dafür umso euphorischere Artikel landeten, zu Themen wie der RE1 um&nbsp;Mitternacht, das Industrielackmuseum, sowie meiner Liebe zur Aussichtsplattform auf die Autobahn A40. All meine Lieblingsthemen an einem Ort&nbsp;vereint.</p>



<p>Das Problem an Stipendien dieser Art ist oft, dass vor allem das Projekt wegen dem ich ja eigentlich hierher gezogen bin, also der Roman,&nbsp;leider so eine lange Entwicklungszeit hat, dass er überhaupt erst ein bis zwei Jahre später erscheint, wenn der Aufenthalt leider schon längst&nbsp;abgeschlossen ist. Aber das ist gleichzeitig das wirklich schöne an solchen Kulturförderungen, dass man damit eben Projekte unterstützt, die&nbsp;lange dauern und die ohne diese langfristigen Recherchearbeiten wahrscheinlich gar nicht möglich wären. Weil sie von Zufallsgesprächen in&nbsp;Kneipen leben, von Menschen, die einen übers Internet anschreiben, weil sie einem noch dringend ein Buch übers Ruhrgebiet empfehlen wollten&nbsp;(&#8222;Union der festen Hand&#8220;! Bestes Rechercherche-Buch, danke!) und allgemein von der Möglichkeit, die Atmosphäre eines Ortes über einen längeren&nbsp;Zeitraum aufnehmen zu können.<br class="">Dass ich den Ort am Anfang noch nicht so gut kannte, merkt man vor allem daran, dass ich mehrmals Städte als Teil des Ruhrgebiets bezeichnet&nbsp;habe, die definitiv nicht Teil des Ruhrgebiets sind (Düsseldorf?? Wuppertal??) und auch mein Einstiegsgespräch mit dem Bürgermeister Thomas Westphal wurde gleich mit einem Fettnäpfchen eröffnet, weil dieser mich mehrmals daraufhinweisen musste, dass Dortmund keine Kleinstadt ist,&nbsp;wie angeblich in meiner Bewerbung steht (in meiner Bewerbung war die Rede von einer fiktionalen Kleinstadt in der der Roman spielt, nicht von Dortmund, aber tbh jede Stadt unter einer Million Einwohner ist für mich eine Kleinstadt, da lass ich nicht mit mir diskutieren (lieb&nbsp;gemeint)).<br class="">Ich habe inzwischen alle Himmelsrichtungsbäder Dortmunds ausprobiert und kann sagen: Das Südbad eignet sich gut zum Längen schwimmen, das&nbsp;Nordbad gut, um etwas später noch hinzugehen, wenn das Südbad schon zu hat, und die beiden Westbäder kann man im Grunde vergessen (lieb&nbsp;gemeint).<br class="">Ich hab versucht den ungeheuerlichen Roman &#8222;TEXT&#8220; vom Literaturkollektiv 2-3 Straßen zu lesen, der im Zuge vom Projekt Ruhrgebiet als&nbsp;Kulturhauptstadt Europas 2010 entstand und bin kläglich daran gescheitert.<br class="">Ich hab von den Ewigkeitsverträgen erfahren, die sicherstellen, dass die hohlgehauenen Untergründe dieser Gegend nicht vollends mit Wasser&nbsp;vollaufen und einstürzen, sodass bis in alle Ewigkeit das Wasser abgepumpt werden muss, von den Überlegungen verlassene Bergwerke als atomares Endlager zu nutzen, von großartigen bis fragwürdigen Bauprojekten. Ich weiß jetzt was ein Thomas-Konverter ist, wie Thomasmehl entsteht und&nbsp;wozu man es verwendet, ich habe ein neu erworbenes Faible für Kohle-, Lack- und vor allem Mehlstaubexplosionen und für alle Arten&nbsp;überdimensionaler, verrosteter Stahlgebilde und brutalistischer Neubauten.<br class="">Ich durfte auftreten im FZW, im Junkyard, im und vor dem U, im Rekorder, in der VHS, im Literaturcafe Taranta Babu, im Literaturhaus Dortmund&nbsp;und sogar vor dem Deutschen Fußballmuseum.<br class="">Ich bin an brutalistischen Gebäuden vorbei und hineingegangen und darin aufgetreten und unter dutzenden Alleen und in Friedhöfen spaziert, in&nbsp;Kulturcafés, Slams, Lesungen, Theatern, Kinos und Konzerten in Dortmund, Essen, Bochum, Oberhausen, Duisburg gewesen und kann aus erster Hand berichten, dass das Ruhrgebiet alles andere als grau ist. Ich war an anderen Orten und kann aus erster Hand berichten, dass das Ruhrgebiet&nbsp;allerdings sehr wohl auch SEHR GRAU sein kann (*hust* Phoenix-See *hust* (lieb gemeint)).<br class="">Ich bin öfter unfreiwillig in Massen an Fußballfans steckengeblieben als JEMALS in meinem Leben und habe trotzdem noch nicht den Glauben an die&nbsp;Menschheit verloren (zumindest nicht ganz).<br class="">Ich habe sicher ganz, ganz viel vergessen hier, aber irgendwann muss dieser Text ja auch mal fertig werden.</p>



<p>Zum Abschluss möchte ich mich bedanken bei allen, die diesen Aufenthalt in Dortmund ermöglicht und großartig gemacht haben: Beim Kulturbüro&nbsp;Dortmund, vor allem bei Isabel Pfarre, die wirklich bei jeder dummen Frage meinerseits sofort zur Stelle war, beim Literaturhaus Dortmund, vor&nbsp;allem bei Eike und Hartmut für die liebe Zusammenarbeit und lange Abende nach den Lesungen im Hinterhof, bei der Agentur WortLautRuhr, durch&nbsp;deren Veranstaltungen im Poetry Slam- und Literaturbereich im ganzen Ruhrgebiet ich viele liebe Leute kennen lernen durfte, bei allen&nbsp;Autor:innen die ich in der Zeit ins Literaturhaus Dortmund einladen konnte und allen Freund:innen die dabei zugeschaut haben. Und bei allen&nbsp;Menschen, die in Kneipen, bei Veranstaltungen oder auf Twitter auf meine Crowd-Recherchen angesprungen sind und ihre Funfacts zum Ruhrgebiet&nbsp;beigesteuert haben.</p>



<p>Und ich wünsche vor allem auch meinem Nachfolger, dem Autor Alexander Estis alles Gute und viel Spaß mit dieser wunderbaren Stadt!</p>



<p>Der Roman zum Aufenthalt folgt und wird hoffentlich auch in Dortmund präsentiert.<br class="">Bis dahin, schlaft nicht auf dem Förderband ein!<br class="">Glück auf!</p>
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		<title>Vom Pressen und Papsten</title>
		<link>https://litauf.ruhr/vom-pressen-und-papsten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Elias Hirschl]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Oct 2022 14:05:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stadtbeschreiber Elias Hirschl]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vor ein paar Tagen hatte ich die Möglichkeit beim Talk „Reise nach Germania“ von Leon Enrique im Anarchistischen Buch- und Kulturzentrum Black Pigeon in der Nähe vom Dortmunder Hafen zuzuschauen. Enrique hielt einen Vortrag über seine jahrelange Investigativ-Recherche in verschiedenen Studentenverbindungen und oder Burschenschaften. In lockerer Stimmung erzählt der junge Journalist von seinen Erlebnissen, untermalt mit einer Power-Point-Präsentationen und einer ... <a href="https://litauf.ruhr/vom-pressen-und-papsten/" class="more-link">Read More</a></p>
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<h4 class="wp-block-heading">Vor ein paar Tagen hatte ich die Möglichkeit beim Talk „Reise nach Germania“ von Leon Enrique im Anarchistischen Buch- und Kulturzentrum Black Pigeon in der Nähe vom Dortmunder Hafen zuzuschauen. </h4>



<p>Enrique hielt einen Vortrag über seine jahrelange Investigativ-Recherche in verschiedenen Studentenverbindungen und oder Burschenschaften. In lockerer Stimmung erzählt der junge Journalist von seinen Erlebnissen, untermalt mit einer Power-Point-Präsentationen und einer Menge Trigger-Warnungen. Denn das ganze Thema ist kein unbedingt leicht verdauliches.</p>



<p>Einen Hauptteil der Zeit geht es ums Kotzen, ums strategische Kotzen, oder Papsten, wie wir lernen. Wie das meiste andere im Burschenschaftlerkontext hat auch das Saufen unter den Burschis sein eigenes Fachvokabular. Ein Vokabular, dass sich Enrique über mehrere Monate angeeignet hatte, als er zu Studentenzeiten für einige Zeit in der solchen Studentenverbindung wohnte. Man lockt die jungen Männer mit billigen Mieten und einem Instant-Freundeskreis. Man zieht ein, zahlt 250 Euro für sein Zimmer und hat sofort Leute um sich, die jeden Abend mit einem Saufen gehen wollen. Was Enrique erzählt erinnert mich sofort an das Vorgehen der meisten Sekten, um neue Mitglieder anzuwerben. Das sogenannte Lovebombing, das sofortige Aufnehmen in einen intimen Freundschaftskreis. Zugegeben, es gibt ein paar Unterschiede zwischen Burschenschaften und Sekten. Man wird bei Burschenschaften nicht unbedingt gelovebombed. Dafür werden aber einige andere Strategien aus religiösen Kulten angewendet. Durch die engen Bande mit den anderen Burschenschaftlern wird man quasi von der Außenwelt abgeschnitten, erzählt Enrique. Man hat so gut wie keine Zeit mehr etwas mit anderen Leuten zu tun und es sind quasi immer andere Burschis da, die mit einem Saufen gehen wollen. Ja, es gibt einen richtigen Gruppendruck dazu oft und viel saufen zu gehen. Wenn man nicht mitgeht, gilt man nach einiger Zeit als Außenseiter, als jemand der seine Verpflichtungen gegenüber der Verbindung schleifen lässt. Wenn man sich notfalls im Zimmer einsperrt, erzählt Enrique, dann stellen die einem die Musik-Box einfach direkt vor die Tür. Und holy shit, das Saufen hat es in sich. Das Saufen scheint in Burschenschaften eher so etwas wie ein Sport zu sein, um seine Männlichkeit zu beweisen. Man säuft nicht, man „presst“, man kotzt auch nicht, sondern man „papstet“, die Kotze ist daher auch keine Kotze sondern das „Papstat“. Und ab und zu wird nicht nur ein Maßkrug geext, sondern ein ganzes Gemüsefach aus dem WG-Kühlschrank. Man kotzt dann nicht unbedingt, weil einem vom Alkohol schlecht wird, sagt Enrique. Also das schon auch, aber man kotzt auch einfach aus rein praktischen Gründen, weil ein Körper nicht so viel Flüssigkeit auf einmal aufnehmen kann. Auch er habe sich das regelrecht antrainiert.</p>



<p>Wir erfahren, dass es viele unterschiedliche Arten von Verbindungen gibt. Enrique selbst war in einer nicht-schlagenden Verbindung und auch in einer, die sich im Durschnitt eher von den tatsächlichen Neonazis distanziert hätte. Er selbst hat bei vier unterschiedlichen rechtsaußen-Burschenschaften versucht Mitglied zu werden, sei da aber von den meisten aufgrund seiner Hautfarbe abgelehnt worden, mal mehr, mal weniger direkt begründet. Die Verbindungen am rechten Rand sind alle Teil desselben Dachverbandes, der noch das Abstammungsprinzip führe, ein nicht exakt definiertes Ausschließen aller Menschen, die aus Sicht der betreffenden Burschenschaften nicht „deutsch“ genug sind.</p>



<p>Es sei wichtig zwischen den Burschenschaften zu differenzieren, sagt Enrique. Nicht, um sie verteidigen zu wollen, sondern um sie differenzierter und fundierter zu kritisieren. Es sei sinnlos alle gleichermaßen als Nazis zu bezeichnen, weil das das Problem mit den Burschenschaften auch viel zu vereinfacht darstellen würde. Es gäbe sehr wohl auch Verbindungen die sich zumindest formal von den Rechten distanzieren, und diese könne man eben auch aus genug anderen Gründen kritisieren. Denn auch bei den Verbindungen, die sich selbst nicht am rechten Rand sehen, gebe es extrem problematische Verhältnisse mit Autoritätshörigkeit, einem indirekt oder manchmal sogar direkt ausgeübten Druck zu Saufen, sowie mit Sexismus und übergriffigem Verhalten. „Wenn euch jemand in einer Verbindung mal freundlich die <em>große Haustour</em> zeigen will, dann lauft davon“, sagt Enrique.</p>



<p>Alles in allem: Sehr informativ, sehr heavy, aber mit viel Einfühlungsvermögen vorgetragen und insgesamt sehr zu empfehlen sich mal was von Leon Enrique anzuhören oder durchzulesen.</p>



<p>Texte über Enriques Burschenschaft-Erfahrungen gibt es hier: <a href="https://leonenriquemontero.net/projekte/germania.shtml" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://leonenriquemontero.net/projekte/germania.shtml</a></p>



<p>Auf Instagram ist er zum Beispiel unter @le0nenrique</p>
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		<title>Sonic Highway</title>
		<link>https://litauf.ruhr/sonic-highway/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Elias Hirschl]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Sep 2022 00:10:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stadtbeschreiber Elias Hirschl]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mich verbindet schon länger eine seltsame Faszination mit einem gewissen Ort an einer deutschen Autobahn. Der Ort ist die Aussichtsplattform auf die A40 und aus Gründen auf die ich hier nicht näher eingehen möchte, verbinde ich nur angenehme Erinnerungen an diesen Ort. Die Geschichte des Ortes ist nicht minder interessant. 2015 wurde die Gegend dort am Autobahnkreuz Bochum West (ich ... <a href="https://litauf.ruhr/sonic-highway/" class="more-link">Read More</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Mich verbindet schon länger eine seltsame Faszination mit einem gewissen Ort an einer deutschen Autobahn. Der Ort ist die Aussichtsplattform auf die A40 und aus Gründen auf die ich hier nicht näher eingehen möchte, verbinde ich nur angenehme Erinnerungen an diesen Ort. Die Geschichte des Ortes ist nicht minder interessant. 2015 wurde die Gegend dort am Autobahnkreuz Bochum West (ich glaube zumindest, dass das so heißt) neu gebaut, also eine Straße wurde zur Autobahn ausgebaut und aus der überflüssigen Erde (den „Aushub“) die bei den Bauarbeiten übrig blieb, baute man ein paar künstliche Hügel, von denen man einen tollen Ausblick hat. Einen Ausblick auf: Autos. Autos so weit das Auge reicht. Und den besten Ausblick gibt es an der Aussichtsplattform auf die A40, die berühmtermaßen an die 60 000 Euro gekostet hat. Interessanterweise ist exakt neben der Aussichtsplattform ein noch größerer Hügel, von dem man einen weitaus besseren Ausblick auf die Autobahnen hat, aber naja da hat man eben nicht das Aussichtsplattform-Erlebnis.</p>



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<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1200" height="1200" data-id="730" src="https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/09/Hirschl_A40_SonicHighway_03.jpg" alt="" class="wp-image-730" srcset="https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/09/Hirschl_A40_SonicHighway_03.jpg 1200w, https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/09/Hirschl_A40_SonicHighway_03-300x300.jpg 300w, https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/09/Hirschl_A40_SonicHighway_03-1024x1024.jpg 1024w, https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/09/Hirschl_A40_SonicHighway_03-150x150.jpg 150w, https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/09/Hirschl_A40_SonicHighway_03-768x768.jpg 768w, https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/09/Hirschl_A40_SonicHighway_03-100x100.jpg 100w, https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/09/Hirschl_A40_SonicHighway_03-1184x1184.jpg 1184w" sizes="auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></figure>
<figcaption class="blocks-gallery-caption">Aussichtsplattform auf die A40</figcaption></figure>



<p>Als bekennender Aussichtsplattform-Fanatiker bin ich deshalb regelrecht ausgeflippt als ich hörte, dass es exakt an diesem Autobahnabschnitt im Zuge des Dortmunder Favoriten-Festivals eine Musik-Performance des Künstlerinnen-Kollektivs MFK Bochum namens „Sonic Highway“ gibt. Das Kollektiv bestehend aus Katarína Marková, Franziska Schneeberger und Marlene Ruther organisierten eine Bustour vom Depot in Dortmund (einem tollen Kreativ-Ort mit Theater und Kino) direkt zur Autobahn.<br>Auch wenn ich nicht sicher bin, ob die Fahrt zur Performance schon Teil der Performance war (aber diese Unsicherheit darüber ob das Teil der Performance war, war vermutlich Teil der Performance), beginnt die Performance mit einer Art alternativen Touristenführung über die Autobahn. Franziska Schneeberger stellt sich dem Bus als Franzi vor. Wir fahren mit etwa 40 Personen, die eine freiwillige Spende als Eintritt gezahlt hatten, direkt zur Aussichtsplattform.<br>Auf dem Weg dahin erzählt Franzi: Sie ist Jahrgang 1990 und fährt gerne Auto. Im Bus gibt es leider keine Toiletten, aber an der Autobahn gibt’s dann ein paar Büsche. Bevor sie uns mehr erzählt, will sie uns jetzt erstmal ihr Lieblingslied vorspielen, dass sie auf dieser Strecke immer gerne hört. Sodann erschallt Highway to Hell in der exakt richtigen Lautstärke im Bus. Es wird übrigens mitgefilmt, sagt Franzi. Aber nur für Dokumentationszwecke, oder für einen Spielfilm, mal schauen.<br>Die Tour beginnt. Franzi sagt: Wenn Sie vorne aus dem Fenster schauen, sehen Sie Stau. Rechts von uns gibts auch schon die erste Panne. Wir stehen im Stau. Irgendwann kommen wir auf die A40. Franzi erzählt, ihr Fahrlehrer hat früher auch immer Highway to Hell im Auto laufen lassen. „Highway to Hell“, sagt Franzi. „Dat is einfach n Stimmungslied, dat macht Stimmung bei mir. Das is auch das Gefühl das ich vermitteln möchte.“<br>Sie erzählt von ihre Liebe zu Autos. Früher hatte sie einen silbernen Twingo, da konnte man das Dach aufmachen.<br>„Da links sehen Sie die große Aral-Tankstelle, da mit dem Förderturm, so Ruhrgebietsarchitektur.“ Die Tankstellen, sagt Franzi, sind in den Farben zwei verschiedener Fußballclubs gestrichen, als Zeichen der Versöhnung (Anmerkung des Autors: ich hab vergessen welche Clubs).<br>„Rechts sehen Sie eine kleinere ARAL-Tankstelle“, sagt Franzi. „Fahrt da nicht hin, da gibts gar nix zu erleben.“<br>Wenig später fahren wir am Gartencenter Augsburg vorbei. „Schaut euch diese Rosen an“, sagt Franzi. „Nächstes Jahr wird die die A40 auf 6 spuren ausgebaut. Dann wird die Rosenhecke abgesäbelt.“<br>Dann geht’s vorbei am Freudenberg: „Hier ist eine große Fleischerei, ein Burgerking und daneben der Club Rouge mit viel Platz zum Parken.“<br>Falls jemand Hunger oder Durst kriegt, gibt es eine Box mit Wasser, Obst und Müsliriegel zur kostenlosen Entnahme.<br>Als wir ankommen, regnet es in Strömen und wir gehen auf die Aussichtsplattform. Dort hören wir noch mehr Infos über die Entstehung dieser Gegend, der bereits erwähnte Ausbau 2015 etc. Danach gibt es ein Blockflötensolo der Eurovisionshymne, sowie ein Blockflötensolo von My heart will go on. (Anmerkung des Autors: ICH LIEBE ALLES DARAN).<br>Wir gehen zum nächsten und letzten Punkt der Performance und ziehen uns an einem Seil den extrem rutschig gewordenen Hügel gegenüber der Aussichtsplattform hoch. Am Gipfel werden wir begrüßt von ein paar Zelten die uns endlich vom Regen retten. Während wir einen großartigen Ausblick auf die Autos genießen können beginnt die Musikperformance. Die drei Kollektiv-Mitglieder werfen nacheinander hunderte verschiedene Midi-Controller und Effektpedale an und es folgt eine Art dadaistische aber extrem gut choreografierte 8-Bit-Musik-Performance, begleitet von aktivistischen und philosophischen Texten rund ums Thema Auto. Mal legt sich jemand in den verregneten Schlamm und macht pantomimisch mit einem unsichtbaren Gewehr Jagd auf Autos, mal liest jemand ein Manifest über eine post-auto-Zukunft vor. Nichts davon wirkt pathetisch. Nichts davon wirkt über die Maßen missionarisch. Es ist eine differenzierte künstlerische und unglaublich kreative Auseinandersetzung mit der leider zur Notwendigkeit gewordenen Ressource, sowie der Ware und des Fetisches „Auto“.<br>Am Ende der Performance sind alle im Publikum völlig unterkühlt und durchnässt, aber auch absolut begeistert. Gerne wieder 5/5 (die gleiche Bewertung die ich auf Google-Maps der Aussichtsplattform auf die A40 gegeben habe).<br>Sonic Highway läuft noch zweimal am 21. Und 23. September. Karten gibt’s online und sind quasi pay as you wish.<br><a href="https://favoriten-festival.de/programm/sonic-highway/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://favoriten-festival.de/programm/sonic-highway/</a></p>
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		<title>Gesprochenes Wort</title>
		<link>https://litauf.ruhr/gesprochenes-wort/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Elias Hirschl]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Aug 2022 08:23:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stadtbeschreiber Elias Hirschl]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>So, jetzt erstmal eine Entschuldigung dafür, dass es schon einige Wochen her ist, dass ich den letzten Blogeintrag geschrieben hab. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass mich jetzt auch endlich nach zweieinhalb Jahren Virenabstinenz die Trendpest eingeholt hat und ich einige Zeit meine Stipendiums-Residenz daher nicht verlassen konnte. Und was schreibt soll man denn über eine Stadt schreiben, wenn ... <a href="https://litauf.ruhr/gesprochenes-wort/" class="more-link">Read More</a></p>
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<p>So, jetzt erstmal eine Entschuldigung dafür, dass es schon einige Wochen her ist, dass ich den letzten Blogeintrag geschrieben hab. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass mich jetzt auch endlich nach zweieinhalb Jahren Virenabstinenz die Trendpest eingeholt hat und ich einige Zeit meine Stipendiums-Residenz daher nicht verlassen konnte. Und was schreibt soll man denn über eine Stadt schreiben, wenn man die Stadt gar nicht besuchen kann obwohl man mitten drin ist?</p>



<p>Jetzt war aber endlich wieder Zeit für Sachen und mit Sachen meine ich insbesondere den ersten Abend, den ich quasi als Kurator im <a href="https://www.literaturhaus-dortmund.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Literaturhaus Dortmund</a> hosten durfte. Ich muss dazu sagen, dass ich so gut wie nie etwas moderiere und dementsprechend nervös war ich auch vor Beginn des Abends. Zu meinem Glück sind aber die beiden geladenen Personen nicht nur äußerst begabt in Spoken Word und Lyrik, sondern auch im Moderieren, sodass sich der Abend eigentlich eh wie von selbst trug.</p>



<p>Das Thema des ersten von mir veranstalteten Abends war <strong><em>Spoken Word</em> </strong>und die Eingeladenen waren die beiden Lyrik- und Gesprochenes-Wort-Schaffenden <strong>Temye Tesfu</strong> und <strong>Miedya Mahmod</strong>, sowie die Veranstaltungs-DJ <em><strong>Kleinradhülse</strong></em>. Nicht nur zwei Menschen mit absolut adäquatem Ypsilon-Gebrauch in ihren Namen, sondern auch Fixgestirne der deutschsprachen Spoken Word- und Poetry Slam-Landschaft.</p>



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<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" data-id="715" src="https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/08/MiedyaMahmod_c_AdHarti-1024x1024.jpg" alt="" class="wp-image-715" srcset="https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/08/MiedyaMahmod_c_AdHarti-1024x1024.jpg 1024w, https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/08/MiedyaMahmod_c_AdHarti-300x300.jpg 300w, https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/08/MiedyaMahmod_c_AdHarti-150x150.jpg 150w, https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/08/MiedyaMahmod_c_AdHarti-768x768.jpg 768w, https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/08/MiedyaMahmod_c_AdHarti-100x100.jpg 100w, https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/08/MiedyaMahmod_c_AdHarti-1184x1184.jpg 1184w, https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/08/MiedyaMahmod_c_AdHarti.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Miedya Mahmod</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" data-id="724" src="https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/08/EliasHirschl_22_c_AdHarti-1024x1024.jpg" alt="" class="wp-image-724" srcset="https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/08/EliasHirschl_22_c_AdHarti-1024x1024.jpg 1024w, https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/08/EliasHirschl_22_c_AdHarti-300x300.jpg 300w, https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/08/EliasHirschl_22_c_AdHarti-150x150.jpg 150w, https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/08/EliasHirschl_22_c_AdHarti-768x768.jpg 768w, https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/08/EliasHirschl_22_c_AdHarti-100x100.jpg 100w, https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/08/EliasHirschl_22_c_AdHarti-1184x1184.jpg 1184w, https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/08/EliasHirschl_22_c_AdHarti.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Elias Hirschl</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" data-id="719" src="https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/08/TemyeTesfu_c_AdHarti-1024x1024.jpg" alt="" class="wp-image-719" srcset="https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/08/TemyeTesfu_c_AdHarti-1024x1024.jpg 1024w, https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/08/TemyeTesfu_c_AdHarti-300x300.jpg 300w, https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/08/TemyeTesfu_c_AdHarti-150x150.jpg 150w, https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/08/TemyeTesfu_c_AdHarti-768x768.jpg 768w, https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/08/TemyeTesfu_c_AdHarti-100x100.jpg 100w, https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/08/TemyeTesfu_c_AdHarti-1184x1184.jpg 1184w, https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/08/TemyeTesfu_c_AdHarti.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Temye Tesfu</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" data-id="718" src="https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/08/Kleiradhuelse_c_AdHarti-1024x1024.jpg" alt="" class="wp-image-718" srcset="https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/08/Kleiradhuelse_c_AdHarti-1024x1024.jpg 1024w, https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/08/Kleiradhuelse_c_AdHarti-300x300.jpg 300w, https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/08/Kleiradhuelse_c_AdHarti-150x150.jpg 150w, https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/08/Kleiradhuelse_c_AdHarti-768x768.jpg 768w, https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/08/Kleiradhuelse_c_AdHarti-100x100.jpg 100w, https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/08/Kleiradhuelse_c_AdHarti-1184x1184.jpg 1184w, https://litauf.ruhr/wp-content/uploads/2022/08/Kleiradhuelse_c_AdHarti.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>DJ Kleinradhülse</figcaption></figure>
<figcaption class="blocks-gallery-caption">Spoken Word mit Temye Tesfu und Miedya Mahmod sowie Veranstaltungs-DJ Kleinradhülse</figcaption></figure>



<p>Poetry Slam ist ja schließlich auch das, was mich eigentlich ursprünglich nach Dortmund verschlagen hat. Ich bin glaube ich 2014 oder 2015 das erste Mal im Ruhrgebiet aufgetreten und das erste mal war leider Gottes gleich ein ziemlicher Reinfall, weil durch einen Wirbelsturm mein Flug gecancelt wurde und der einzige Auftritt, den ich wahrnehmen konnte der in Duisburg war. Und gar nichts gegen Duisburg im Allgemeinen, aber sagen wir mal es war ein sehr netter Auftritt vor etwa 20 Leuten, die Spaß hatten, aber die Reisekosten hat es damals halt auch nicht wirklich gedeckt.</p>



<p>In den Folgejahren ergaben sich aber immer mehr Auftritte in Bochum, Dortmund, Herne, Oberhausen, Recklinghausen, Einige Andere-Hausens, wo auch immer die WortLautRuhr-Agentur oder auch andere Organisator:innen Spoken Word-Veranstaltungen aus dem Boden stemmen. Im Ruhrgebiet scheint beim Publikum eine nicht zu stillende Begeisterung für Gesprochenes Wort auf der Bühne vorhanden zu sein.</p>



<p>Das war letztendlich auch einer der Auslöser, wieso ich mich für das Stadt(be)schreiber-Stipendium bewerben wollte, weil ich die Szene hier schon ein bisschen kenne und sie mir über die Jahre sehr ans Herz gewachsen ist.</p>



<p><strong>Miedya Mahmod</strong> habe ich das erste Mal so richtig 2019 erlebt, auf einem meiner letzten Auftritte in Deutschland. Das war bei einem völlig größenwahnsinnigen Event in der Elbphilharmonie in Hamburg vor (ich ließ mir sagen) mehreren tausend Leuten. Ich kann mich nicht erinnern jemals in meinem Leben eine derartige Panik vor einem Auftritt gehabt zu haben. Miedya schien es nicht unähnlich zu gehen, aber der Auftritt war natürlich wie immer flawless.</p>



<p><strong>Temye Tesfu</strong> kenne ich schon etwas länger, vor allem aus verschiedenen Veranstaltungen in und um Berlin. Zuletzt trat Temye auch letztes Jahr bei einem Lyrikfestival im Odeon Theater in Wien auf und performte wunderschöne, dekonstruierende, teils aus bürokratischen Texten zusammen collagierte Textkaskaden, während draußen vor dem Theater ein rechtsradikaler Querdenkeraufmarsch durch den zweiten Bezirk irrte. Ich und die meisten anderen können sich nur glücklich schätzen Temye nun auch als Nachbar im Ruhrgebiet zu haben.</p>



<p>An besagtem Spoken Word-Abend gab es dann von den beiden auch gleich noch brandneue Texte zu hören, die zum Teil noch nie auf Bühnen aufgeführt wurden, so etwa eine freie Gedichtübersetzung Schrägstrich Neuinterpretation, die <strong>Miedya Mahmod </strong>für den ebenfalls empfehlenswerten Spoken Word-Podcast Stoff aus Luft (von <strong>Josefine Berkholz</strong> und <strong>Tanasgol Sabbagh</strong>) geschrieben hat. Darin übersetzt sie den Text der kurdischen Autorin <em><strong>Yildiz Çakar</strong></em> auf Deutsch und Englisch, sowie einige Passagen auch in einen anderen kurdischen Dialekt / andere kurdische Sprache.</p>



<p><strong>Temye Tesfu</strong> beendete schließlich den Abend mit einem antifaschistischen Vater Unser, das Publikum sprach bzw. sang brav katholisch das Amen zum Gebet.</p>



<p>Und auch die Veranstaltungs-DJ <strong>Kleinradhülse</strong> soll hier nicht unerwähnt bleiben, die die Poetry Slam-Szene im Ruhrgebiet ebenfalls schon lange als musikalische Untermahlung begleitet, mal die Pet Shop Boys von links und dann wieder Antonín <em>Dvořáks neunte Synphonie zweiter Satz von rechts reinknallt, dass es nur so eine Freude ist.</em></p>



<p><em>Wer Interesse an mehr Veranstaltungen dieser Art hat, sei hiermit komplett parteiisch auf die Website von WortLautRuhr verwiesen: <a href="https://www.wortlautruhr.com/uebersicht" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://www.wortlautruhr.com/uebersicht </a></em></p>



<p><em>Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass man sich dort demnächst mal sieht.</em></p>
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		<title>Gut Lack</title>
		<link>https://litauf.ruhr/gut-lack/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Elias Hirschl]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Jun 2022 11:07:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stadtbeschreiber Elias Hirschl]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als Autor vertieft man sich ja oft in Themenfelder, zu denen man sonst eigentlich relativ wenig Bezug hat. Man recherchiert ein paar Monate darin, häuft sich so ein Halbwissen an, gerade genug, um in einem Roman so tun zu können, als hätte man tatsächlich Ahnung von etwas. David Foster Wallace hat einmal geschrieben, man soll ein Thema so tief recherchieren, ... <a href="https://litauf.ruhr/gut-lack/" class="more-link">Read More</a></p>
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<p>Als Autor vertieft man sich ja oft in Themenfelder, zu denen man sonst eigentlich relativ wenig Bezug hat. Man recherchiert ein paar Monate darin, häuft sich so ein Halbwissen an, gerade genug, um in einem Roman so tun zu können, als hätte man tatsächlich Ahnung von etwas. David Foster Wallace hat einmal geschrieben, man soll ein Thema so tief recherchieren, dass man einem Sitznachbar auf einem Kurzstreckenflug glaubhaft machen könnte, man würde tatsächlich den Beruf ausüben, den man recherchiert hat.</p>



<p>Aus dieser Grundeinstellung heraus interessiere ich mich deshalb vor allem für die Fachjargons seltsamer Nischenbereiche, weil man mit wenigen Dingen besser eine Geschichte erzählen kann, als mit den Spezialausdrücken obskurer Berufsfelder und Milieus. Was sich hierfür besonders gut zum Recherchieren eignet sind kleine Nischen-Museen.</p>



<p>Jetzt hat aber jede Stadt seine seltsamen Nischen-Museen. Und manche davon sind geradezu absichtlich darauf ausgelegt, dass junge Hippster dort ironisch hingehen, etwa das Disgusting-Food-Museum in Berlin. Dort war ich zwar noch nicht, und es ist sicher auch nicht schlecht, aber es schreit eben schon geradezu: „Schau! Schau, was für ein verrücktes Museum ich bin! So verrückt lol!“, oder das Foltermuseum in Wien „Oh schau, lol Folter, und sogar im Mittelalter, so verrückt.“</p>



<p>Nein, von derartigen absichtlich kuriosen Museen ist hier nicht die Rede, denn sie bieten nicht die Menge an völlig nutzlosem, absolut großartigem Fachjargon nachdem es den Fachjargon-Liebhaber gelüstet.</p>



<p>Ein Museum, dass diesen Zweck jedoch voll und ganz erfüllt ist das Deutsche Industrielack-Museum Dortmund.</p>



<p>Interessieren Sie sich für Fassaden-Anstriche? Für den Lack auf Illustrierten, Cola- und Deo-Dosen? Tja, dann sind sie hier falsch und denken noch nicht nischig genug! Gehen Sie lieber ins Bautenfarben-Museum oder ins Verpackungslacke-Museum, denn im <em>DIM</em> spezialisiert man sich ausschließlich auf die Unterkategorie des Industrielacks! Hier geht es ausschließlich um Lack für Maschinen, Autos, Schiffe und Möbel. So mag ich meine Nischen-Museen.</p>



<p>Uns begrüßt beim Eingang gleich einer der Betreiber des Museums Thomas Grüner. Er steigt aus seinem Auto, sagt uns, dass das Auto leider kaputt ist, öffnet die Kühlerhaube und holt verärgert eine Trompete heraus, sagt: „Na kein Wunder, dass das Ding nicht funktioniert!“ und wirft die Trompete gegen eine Wand. Das ist wirklich passiert. Das ist wirklich passiert!</p>



<p>Das Museum wird betrieben von der Lack-Manufaktur (Manufaktur! Keine Fabrik!) „Kaddi-Lack“. Guter Wortwitz 10/10, kann mich nicht beschweren. Ich hatte vorher schon Mailkontakt mit Herrn Grüner. Er beendet seine Emails immer mit „Gut Lack“. Ebenfalls guter Wortwitz 10/10. Auch waren er und sein Mitbetreiber Volker Bach so freundlich, uns extra aufzusperren, denn das DIM hat, obwohl es strenggenommen schon seit 2010 besteht (damals jedoch nur mit einem einzigen Raum) keine regulären Öffnungszeiten. Man kommt nur rein, wenn man sich vorher einen Termin ausmacht. Dafür schießen dem Betreiber dann die Lackfakten, Industriegeschichten und die eine oder andere politische Meinung nur so aus dem Mund, wie Kiesel aus einem Steinschlagmessgerät. Was das ist? Gut, dass Sie fragen! Ein Steinschlagmessgerät ist eine Maschine mit der Steine von unterschiedlicher Größe mit Druckluft auf Lackproben geschossen werden, um z.B. die Widerstandsfähigkeit von Lack auf Autoblech zu testen. NISCHENJARGON JAAAAA!</p>



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<p>Das Museum ist klein aber detailreich eingerichtet. In einem Gang hängen jede Menge Rechnungen, Aktien und Bestellscheine, teils aus der DDR oder auch aus dem Dritten Reich. Eine Tafel verweist darauf, dass die Darstellungen aus der Nazi-Zeit nur zur Aufklärung und zur Abwehr von verfassungswidrigen Bestrebungen dienen. Lack hat die deutsche Geschichte schon lange begleitet.</p>



<p>Nebenan sind in einer Art Labor allerhand Chemikalien ausgestellt. Tausende Farbpigmente unterschiedlicher Hersteller. Manche die unter Schwarzlicht leuchten. Manche die von alleine leuchten. An einem Punkt meine ich, das Wort „Uranbeschichtung“ oder etwas ähnliches gehört zu haben und frage vorsichtig nach, ob die in der Finsternis grün schimmernde Kristallblume in einem Schaukasten radioaktiv ist. „Ein bisschen“, kommt es zurück. Wir nicken alle sichtlich beruhigt.</p>



<p>Wir erfahren viel über bleihaltige und bleifreie Beschichtungen, über die Neustreichung des Lanstroper Eis, über die Bemalung des Eifelturms und die von Bohrtürmen und Bohrinseln. Korrosions-unterbindender Lack, Anti-Freeze-Lack auf Flugzeugen und Regenschutz-Lack auf Windkraftanlagen.</p>



<p>In einem anderen Raum sind allerhand Mühlen ausgestellt, mit denen man die einzelnen Pigmente kleinmahlen kann. Die Mühlen lassen sich alle einschalten und machen unterschiedlich viel Lärm, je nachdem wie groß die Kugeln, Murmeln oder Perlen sind, die zum Mahlen verwendet werden. Herr Grüner erzählt, einer der Besucher habe mal gesagt, dass das ja gefährlich sei. Darauf habe er erwidert: „Ja.“</p>



<p>Ein weiteres wunderbares Wort aus dem Druck-Fachjargon, das wir lernen: „Klischee“ – eine Druckvorlage für ein Logo, ein Firmenlogo zum Beispiel, früher noch aus Kupfer herausgeätzt in einer sogenannten „Klischeeanstalt“. Klischeeanstalt! Ich liebe alles daran. Noch ein wunderschönes Wort: Jemand, der den Farbton feinjustiert ist ein sogenannter „Nuanceur“. Ich hoffe, ich schreibe das richtig, ich kann literally kein Wort Französisch. Da ich gerade dabei bin, hau ich jetzt einfach das ganze Best-of der Fachbegriffe raus! Weiter geht’s mit „Grindometer“, ein Messgerät zum Überprüfen wie ghyle ein grind ist, nein scherz, zum Überprüfen wie feinkörnig ein Pigment gemahlen ist. Es ist eine Art Metallplatte mit Rillen, die immer feiner werden und ab dem Punkt wo kein Pigmentpulver mehr in den Rillen hängen bleibt, weiß man wie feinkörnig es ist.</p>



<p>Gegen Ende der Ausstellung gibt es noch einen Farbtest. „Der Mensch hat kein Farbgedächtnis“, wiederholt Herr Grüner immer wieder und beweist das, indem er uns Farbschattierungen vorhält die die gleiche Farbe wie deutsche Briefkästen haben. In den kleinen Kacheln in denen er sie jedoch präsentiert, schaut die Farbe viel dunkler aus. „Farbe in kleinen Abschnitten wird vom menschlichen Auge immer schmutziger und dunkler wahrgenommen, als auf einer Fläche.“</p>



<p>Noch zwei Funfacts zum Ende des Textes: Grün wirkt beruhigend, so viel wusste ich auch schon. Aber was ich nicht wusste ist, dass Grün, vor allem der Farbton Reseda-Grün angeblich der Farbton ist, den man am ehesten noch wahrnimmt, kurz bevor man in Ohnmacht fällt. Weshalb die meisten Notausgangsschilder in Grün gehalten sind. Keine Ahnung ob das wirklich stimmt, though. Und noch etwas zum Thema Recycling: Nagellack ist so ziemlich der einzige handelsübliche Lack, der sich absolut problemlos reversieren lässt. Wenn man also so eine Dose mit Aceton und einem Schwamm drin hat und immer nur roten Nagellack verwendet, könnte man den Schlönz der sich in der Dose ansammelt irgendwann einfach in ein flaches Becken ausgießen, das Aceton verdunsten lassen, die trockene Farbe mit einem Lösemittel wieder flüssig machen (behaupte ich jetzt, ich kenn mich nicht aus, vielleicht braucht man ein anderes Additiv (uh noch ein Fachbegriff!)) und wiederverwenden.</p>



<p>So, jetzt aber auch wirklich genug, mein Hirn ist jetzt grundiert, isoliert, überlackiert und steinschlaggetestet.</p>



<p>Gut Lack!</p>
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		<title>Das Wetter nach Corona</title>
		<link>https://litauf.ruhr/das-wetter-nach-corona/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Elias Hirschl]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 May 2022 08:23:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stadtbeschreiber Elias Hirschl]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vor ein paar Tagen war ich zu Besuch beim Bildungswerk Vielfalt, direkt neben dem Dortmunder U. Dort hat eine Gruppe Studierender vom Verein Kamerunischer Ingenieure und Informatiker ein großartiges Literatur- und Kunst-Projekt namens „Das Wetter nach Corona“ ins Leben gerufen. Dabei sollen die Eindrücke die verschiedenste Menschen von der Pandemie haben, anhand von Orten erzählt werden, die ihnen während der ... <a href="https://litauf.ruhr/das-wetter-nach-corona/" class="more-link">Read More</a></p>
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<p>Vor ein paar Tagen war ich zu Besuch beim Bildungswerk Vielfalt, direkt neben dem Dortmunder U. Dort hat eine Gruppe Studierender vom Verein Kamerunischer Ingenieure und Informatiker ein großartiges Literatur- und Kunst-Projekt namens „Das Wetter nach Corona“ ins Leben gerufen. Dabei sollen die Eindrücke die verschiedenste Menschen von der Pandemie haben, anhand von Orten erzählt werden, die ihnen während der ganzen Zeit Kraft gegeben haben. Das findet in der Form von Gedichten statt, von Malereien und Zeichnungen und Fotografie.&nbsp;</p>



<p>Die Initiator:innen des Projektes, Fabrice, Audrey, Mickaella und Boris haben mit Unterstützung von Kati Stüdemann vom Bildungswerk Vielfalt eine Workshopreihe ins Leben gerufen, in dem neben kreativem Schreiben eben auch Fotografie und Bildende Kunst, also Erzählkunst in allen Variationen präsentiert und gemeinsam erarbeitet wird. Im Sommer auch einige Gast-Workshops mit eingeladenen Künstler:innen und Autor:innen angedacht und gegen Ende des Jahres soll das ganze Projekt als fotografisch und bildnerisch illustrierter Lyrik- und Prosa-Band gedruckt und veröffentlicht werden.</p>



<p>Der Romanautor Fabrice Ténembot schreibt seine Texte meistens auf Französisch und erzählt, dass ihm die Mehrsprachigkeit in dem Projekt ein wichtiges Anliegen ist. Es wird sogar überlegt, gänzlich auf Übersetzungen ins Deutsche zu verzichten. Wer auf Deutsch schreiben will, schreibt auf Deutsch. Wer auf Französisch oder Englisch oder in einer anderen Sprache schreiben will, der soll auch in dieser Sprache abgedruckt werden.</p>



<p>Boris stellt mir am Ende noch drei Fragen für eine Reihe von Videointerviews. Die Fragen muss ich ohne nachzudenken und ohne sie vorher gehört zu haben direkt beantworten und sie lauten: „Wer bist du?“, „Wer warst du?“, und „Wer darfst du sein?“. Ich möchte nicht zu viel von meinen Antworten verraten, zum einen, weil man sie auf Instagram bei @living_library_01&nbsp;nachschauen kann, aber auch weil ich massiv mit den Fragen überfordert war und nur kompletten Blödsinn geantwortet hab. Frei reden muss man eben auch können. Ganz schön schwierig, wenn man nicht wie gewohnt eine Woche alleine in seiner Wohnung Zeit hat, die Fragen ausführlich zu recherchieren und dann schriftlich in einem langen Essay zu beantworten, sondern im Sitzungssaal am Tisch direkt in die Kamera. Die kürzesten Fragen sind irgendwie auch immer die schwierigsten.</p>



<p>Zum Abschied gibt mir Fabrice sogar noch zwei seiner Bücher mit. Sein Roman „Le Diplmé Et L’intellectuel – À Qui Le Siége?“ ist bei Publiwiz Editions erschienen, sein Buch „Le Bavard intéressant“ im Eigendruck.</p>
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		<title>Fußball als Theater im Museum</title>
		<link>https://litauf.ruhr/fussball-als-theater-im-museum/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Elias Hirschl]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 14 May 2022 08:02:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stadtbeschreiber Elias Hirschl]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hui, eine aufregende Woche war das. Mittwoch beim Bildungswerk Vielfalt und deren Projekt „Das Wetter nach Corona“ vom Verein Kamerunischer Ingenieure und Informatiker (dazu bald mehr in einem eigenen Blogeintrag), Donnerstag beim Lokalradio 91,2, unter anderem mit so investigativen Fragen wie: „Was bringt das Stadtbeschreiberstipendium dem Bürger?“. Eine Frage auf die ich, harmoniebedürftig wie ich bin, sehr diplomatisch geantwortet hab: ... <a href="https://litauf.ruhr/fussball-als-theater-im-museum/" class="more-link">Read More</a></p>
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<p>Hui, eine aufregende Woche war das. Mittwoch beim Bildungswerk Vielfalt und deren Projekt „Das Wetter nach Corona“ vom Verein Kamerunischer Ingenieure und Informatiker (dazu bald mehr in einem eigenen Blogeintrag), Donnerstag beim Lokalradio 91,2, unter anderem mit so investigativen Fragen wie: „Was bringt das Stadtbeschreiberstipendium dem Bürger?“. Eine Frage auf die ich, harmoniebedürftig wie ich bin, sehr diplomatisch geantwortet hab: Ich mache Kooperationsprojekte, ich stelle die Stadt vor, ich schreibe an einem Roman etc, obwohl ich eigentlich auch ein bisschen sagen hätte wollen: Keine Ahnung, ist auch irgendwie egal, was es dem/der Bürger:in bringt, Kunst gehört einfach überall gefördert, das muss es einem Staat wert sein.<br>Am Freitag dann bei der Dortmund-Premiere vom Theaterstück „Nicht wie ihr“ im Fußballmuseum.<br>Zum Wetter nach Corona komme ich wie gesagt im nächsten Blogeintrag nochmal genauer, beginnen wir also beim Fußballmuseum. Gleich vorne weg: Es kann sein, dass ich mich in ein, zwei technischen Details hier irre, ich vertraue auf meine unsauber geschriebenen Notizen, die ich nach einer durchzechten Nacht zu entziffern versuche, mal schauen wie viel davon stimmt.</p>



<p>Die Basics: Tonio Schachinger ist ein Wiener Autor und hat einen Roman („Nicht wie ihr“) über den absolut fiktionalen und ganz sicher an keine reale Person des öffentlichen Lebens angelehnten Fußballer Ivo Trifunovic geschrieben. Der Roman ist 2019 bei&nbsp;<em>Kremayr &amp; Scheriau</em>&nbsp;erschienen und international eingeschlagen, landete auf der Short List für den Deutschen Buchpreis. Einerseits weil es ein wirklich gutes, schlaues, trauriges, lustiges Buch ist, aber der Fußballaspekt ist natürlich in Deutschland auch nicht zu vernachlässigen. So wundert es nicht, dass das auf dem Roman basierende Drama vom Schauspielhaus Bochum jetzt durch alle möglichen Fußball-Locations in NRW tourt. Premiere war beim SG Wattenscheid 09, und die zweite Vorstellung dann als Gastspiel des Schauspielhaus Bochum direkt im Fußballmuseum, neben dem Dortmunder Hauptbahnhof.</p>



<p>Das Stück, unter der Regie von Malte Jelden, ist als verteilter Monolog bzw. Dialog mit drei Stimmen der Schauspielenden Anne Rietmeijer, Karin Moog und Konstantin Bühler angelegt. Es gibt keine klaren Rollen, alle spielen alle. Eine szenische Lesung sehr nah am Originaltext. Visuell spielt sich einiges im Kleinen ab, wie etwa die Kostüme: eine Art Dekonstruktion von klassischen Fußballdresses, wahlweise zerschnitten, als Crop Top oder in mehrere abnehmbare Stücke aufgeteilt.</p>



<p>Inhaltlich beschäftigt sich das Stück mit denselben Themen wie das Fußballmuseum auch. Henry Wahlig, Veranstaltungsmanager des Museums, betont in seiner Anmoderation vor allem: Das Museum hat nicht nur die wichtigen Pokale, Kleidungsstücke etc, wegen denen die Fans in Scharen hinlaufen, sondern setzt sich eben auch kritisch auseinander mit Themen wie Migration, Homophobie, Sexismus, Feminismus und Antisemitismus. Themen die eben auch schon so lange im Fußball stecken, wie Fußball existiert, und an die man sich schlagartig auch wieder erinnert, wenn Ivo Trifunovic im Stück als Teil eines Wutanfalls homophobe Beschimpfungen entschlüpfen. Auch das ist Fußball.<br>Zurück zum Stück: Ivo Trifunovic ist das vielversprechendste Nachwuchstalent der jüngeren österreichischen Fußballgeschichte und befindet sich kurz vor seinem absoluten Karrierezenit. Daneben geht es auch um seine anlaufende Affäre mit Mirna, seine Überforderung als Ehemann und Vater und den sich konstant aufbauenden Druck in ihm und um ihn herum, der sich bis zum Ende der Geschichte bis zur drohenden Explosion aufstaut.<br>Höhepunkt des Stücks ist die Halbzeitshow, in der Anne Rietmeijer ein auch im Buch vorkommendes Mixtape, das Mirna Ivo schenkt, als Medley-Sammlung mit Loop-Station und Keyboard live performt. Darunter auch eine absolut solide Haiyti-Immitation, mit dem Song <em>Crime Life</em>, aus dem, wie ich vermute, eventuell auch der Titel des Buchs entlehnt ist:</p>



<p class="has-text-align-center">„Ich war früher nich&#8216; wie ihr, ey<br>Ihr habt mich so gemacht wie ihr, ey<br>Und jetzt mach ich Cash wie Gees, hey<br>Ich hab die Taschen voller Kies, ey<br>Ich bin geworden so wie ihr, ja ihr“</p>



<p>Anschließend eine Diskussionsrunde mit dem Autor Tonio Schachinger, dem Museumsdirektor Manuel Neukirchner, dem Chefintendanten vom Schauspielhaus Bochum Johan Simons, der Schauspielerin Karin Moog, und dem früheren Fußballer und Geschäftsführer vom Fußballmuseum Klaus Berding. Verlangt die Fußballkarriere den Sportler:innen zu viel ab? Bleibt überhaupt noch Zeit zu leben? Oder ist die Zeit auf dem Platz das echte Leben? Haben Autor:innen mehr Zeit sich ihre Leidenschaft einzuteilen? Ich folge dem Gespräch interessiert, werde aber die ganze Zeit die Vorstellung nicht los, das hier als Interview nach einem Fußballspiel zu betrachten: „Ja das war eine starke Performance, in der Mitte ordentlich durchgestartet, am Ende nochmal angezogen, das sind auch schwierige Bedingungen, wir haben einfach alles gegeben, da muss man einfach rein und durch, dran bleiben, drauf bleiben, einfach reingehen und durchziehen, danke“.</p>



<p>Wo und mit wem wir im Endeffekt dann noch in irgendeiner Hotelbar bis 3 Uhr Morgens gelandet sind werde ich verschweigen, nur so viel: Es wurde die lokale Brauerei-Wirtschaft unterstützt, also hat der Bürger an diesem Abend eventuell sogar auch etwas vom Stadtbeschreiberstipendium gehabt.&nbsp;&nbsp;</p>
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		<title>Norden, Süden, Westen und Westen</title>
		<link>https://litauf.ruhr/norden-sueden-westen-und-westen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Elias Hirschl]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 May 2022 10:13:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stadtbeschreiber Elias Hirschl]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Na dann sag ich mal servus Dortmund, als Mensch der noch nie außerhalb Wiens gewohnt hat, mit der Ausnahme von vielleicht 1 bis 2 Monaten Schreib- und Auftrittsaufenthalt im Ausland, und dann direkt ins Zentrum der deutschen Industriekultur: Ruhrgebiet, Dortmund. Während ich diesen Eintrag hier schreibe sitze ich schon wieder im Zug, weil ich für einen Termin noch einmal nach ... <a href="https://litauf.ruhr/norden-sueden-westen-und-westen/" class="more-link">Read More</a></p>
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<p>Na dann sag ich mal servus Dortmund, als Mensch der noch nie außerhalb Wiens gewohnt hat, mit der Ausnahme von vielleicht 1 bis 2 Monaten Schreib- und Auftrittsaufenthalt im Ausland, und dann direkt ins Zentrum der deutschen Industriekultur: Ruhrgebiet, Dortmund. Während ich diesen Eintrag hier schreibe sitze ich schon wieder im Zug, weil ich für einen Termin noch einmal nach Wien zurückmusste. Jetzt fahre ich mit dem Rest meines Gepäcks im bequemen 11-Stunden-Zug (13 bei Passkontrolle in Passau) wieder nach Dortmund rauf. Erst nach fünf Stunden habe ich bemerkt, dass der Mann an meinem Vierersitz gegenüber von mir Masken- und Impfgegner ist und versuche nun konzentriert ein Gespräch mit ihm zu vermeiden, das er mit den Worten „Es geht nur noch ums gehorchen, oder?“ eröffnen wollte. Generell eine seltsame Zeit um den Lebensmittelpunkt zu wechseln. Vor wenigen Wochen gab es noch Online-Einreiseanmeldungen, die man jedes Mal ausfüllen musste, wenn man zwischen Österreich und Deutschland hin und her wollte. Dann wurden die abgeschafft, weil Österreich nicht mehr als Varianten-Risikogebiet galt. Nicht, weil sich in Österreich irgendetwas verbessert hätte, sondern weil Deutschland inzwischen eben auch Varianten-Risikogebiet war. Überhaupt ein weitverbreitetes Phänomen: Irgendwas Furchtbares passiert in Österreich und Deutschland macht es dann wenig später nach. Zumindest ein Punkt wo wir Trendsetter sind. Jetzt haben sich die Varianten-Risiken beider Länder jedenfalls einander angeglichen, wie zwei Kammern mit unterschiedlich temperierten Luftschichten, oder Kaffee in den man Milch gießt, oder Kotze und Urin die sich im RE1 nach 2 Uhr nachts an einem Wochenende mit Fußballspiel langsam vermischen etc.</p>



<p>Was tue ich hier eigentlich, außer mir schlechte Metaphern auszudenken? Nicht viel, also in der Tat ist mein Job hier, Metaphern von unterschiedlicher Qualität herzustellen. Dazu bin ich hier. Ich arbeite an einem Romanmanuskript zum Thema Strukturwandel vom Industriellen hin zum Digitalen. Ich recherchiere, ich sammle, ich lese, schreibe, korrigiere, habe einen Nervenzusammenbruch, lösche alles, schreibe etwas Neues, das übliche Autorenleben halt. In den kommenden Tagen habe ich bereits die ersten Lesungen in Dortmund und für August, September und Oktober sind dann noch drei verschiedene Themenabende in Planung, für die ich verschiedene Autor:innen ins Literaturhaus Dortmund einladen darf. Derzeit versuche ich mich aber einfach erst noch einzuleben. Bislang gab es etwa zwei Tage an denen ich tatsächlich in Ruhe zum Metaphern-Manufakturieren gekommen bin. Drei Tage war ich krank und den Rest der Zeit bin ich durch mein Viertel spaziert, habe mich akklimatisiert in den kleinen, schattigen Alleen um meine Künstlerwohnung herum. Inzwischen habe ich meine Supermärkte und Kioske beisammen. Noch eine Woche, dann habe ich auch meine Cafés. Noch eine, dann hab ich einen Überblick über die Kneipen und Konzertlocations (bisher nur ein denkwürdiger Abend an dem ich irgendwie im <em>Junkyard</em> beim Konzert der eigentümlichen Italo-Schlager-Coverband Roy Bianco &amp; Die Abbrunzati Boys samt Vorband Tropikel Ltd gelandet bin) und spätestens in Woche No. 5 widme ich mich dann endlich mal den Museen, Zechen, Friedhöfen und Schwimmbädern.</p>



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<p>Mein bisheriger Lieblingsfunfact über Dortmund ist, dass es (zumindest laut Google Maps) vier Schwimmbäder gibt, die nach Himmelsrichtungen benannt sind: Da gibt es zum einen das Nordbad im Norden, das Südbad im Süden, das Westbad im Westen und (Achtung!) ein ZWEITES WESTBAD IM OSTEN! Als absolut nicht hier aufgewachsener Mensch verbiete ich mir an dieser Stelle jegliche Ost/West-Witze. So macht man sich in Deutschland beliebt als Zugezogener: erst einmal einen Haufen Vergleiche und Metaphern über Ostdeutschland VS Westdeutschland. Richtig sympathisch. Fast so sympathisch wie das Schalke-04-Feuerzeug, das ich aus irgendeinem Grund in meiner Jackentasche hatte und nun mit nach Dortmund übersiedelt habe. Ich bin kein Schalke-04-Fan, ich bin überhaupt kein Fan irgendeines Fußball-Clubs, dazu fehlt es mir an Informationen und Gründen. Ich weiß nicht einmal wie ich in Besitz dieses Schalke-04-Feuerzeugs gekommen bin. Man sagte mir nur, ich solle mich hier nicht damit erwischen lassen. Ich weiß ja nicht einmal ob es sich bei der „04“ im Namen Schalke-04 um die Jahreszahl 2004 oder 1904 handelt, oder ob es mindestens vier verschiedene Schalkes gibt, die man einfach irgendwann durchnummeriert hat Schalke-01, Schalke-02, Schalke-03, Schalke-04 etc. Ich kenne auch niemanden der Schalke-04-Fan ist. Keine Ahnung wo dieses Feuerzeug hergekommen ist. Man kauft Feuerzeuge ja nicht, man findet sie einfach am nächsten Morgen in einer Jackentasche. So entstehen Feuerzeuge, sie materialisieren sich einfach plötzlich, wenn man eine Zigarette anzünden will. Manchmal wechseln sie ihre Farbe und Form und ihre Aufschrift. Wer weiß, morgen ist vielleicht ein BVB-Feuerzeug in der Tasche, oder eines vom ÖVP-Bauernbund-Jahrestreffen in Wels 2007. Mal schauen.</p>



<p>Der Impfgegner im Vierersitz gegenüber von mir ist jedenfalls immer noch da, während ich das hier schreibe. Es ist nicht die aufregendste Zugbegegnung in letzter Zeit. Das waren eher die bereits angeteaserten Fußballfans im RE1 um 2 Uhr nachts zwischen Köln und Dortmund, nachdem irgendwer gegen irgendwen aus Gelsenkirchen gewonnen hat. Man teilte mir mit, es sei eine Art Einweihung meines Umzugs, der RE1 nach Mitternacht an einem Wochenende mit Fußballspiel. Samt Urin und Kotze die sich je nach Kurvenlage und Beschleunigung nach Norden, Süden, Westen und Westen im Waggon ausbreiteten.</p>



<p>So, jetzt hat sich der Impfgegner gegenüber von mir von seinem Sitz wegbegeben und redet auf eine Familienmutter ein, wieso sie ihre Kinder mit den Masken quäle. Ich glaube ich muss da doch eventuell mal einschreiten.</p>



<p>Elias Hirschl, 10.5.2022</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://litauf.ruhr/norden-sueden-westen-und-westen/">Norden, Süden, Westen und Westen</a> erschien zuerst auf <a href="https://litauf.ruhr">Litauf! </a>.</p>
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