Was hat Sie zu einem BVB Fan gemacht

Ich glaube, Fan wurde ich, weil ich mal einen kannte, der die Aufstellung von Borussia Dortmund 1956 und 1957 aufzählen konnte. Das war zweimal dieselbe Mannschaft – in der Aufstellung: Kwiatkowski, Burgsmüller, Sandmann, Schlebrowski, Michallek, Bracht Peters,  Preissler , Kelbassa, Niepiklo, Cyslarczik.Wie man die schreibt, weiß ich nicht, aber der Mann, der sie aufsagte, kam mir wie ein Zauberer vor. Ich wollte auch solche magischen Zaubersprüche auswendig wissen. Also lernte ich die Aufstellung, obwohl sie vor meiner Geburt aktuell war. Ich sage immer: Alles, alles kommt von früher, als man Kind war.

Was fasziniert Sie besonders am Fußball, wie ihn der BVB spielt, oder auch an Stadionbesuchen?

Ich komme vom Theater, erst vom Tanz, jetzt Regie.
Es gibt ein Buch, das mich lange begleitet hat, wenn ich über meine Einstellung zum Theater, über die Einstellung zu meinem Beruf nachgedacht habe. THEATER MUSS WIE FUSSBALL SEIN. Es stimmt. Die Ur-Wahrheit über das Theater ist, es ist in Griechenland geboren, aus der Lust am spielerischen Wettstreit. Über spielerisch-sportlichen Wettstreit, wenn der BVB auf dem Platz ist, muss ich nichts sagen, oder? Aber Boninsegna fällt mir da ein, wie der 1971 für Mailand am Bökelberg eine Ohnmacht schauspielerte und damit eine 7:1-Niederlage für seine Mannschaft abwendete. Das war großes Theater, als ihm eine Büchse an den Kopf flog, und er sich vom Platz tragen ließ. Die Mannschaft, die dann da gewann, aber wegen des schauspielerischen Talents von  Boninsegna doch verlor, hieß zwar  Borussia Mönchengladbach, aber das kann in jedem Stadion passieren, oder?

Sie bereiten ein Erzähltheaterstück für Dortmund Hörde vor. Dabei geht es um Heimat. Kann man Heimat auch in „seinem“ Stadion, bei „seinem“ Verein finden?

In seinem Stadion vielleicht. Im Verein bestimmt. Vor allem, wenn man selber spielt, denke ich. In Berlin gibt es einen Sportverein Roter Stern. Dienstag: Selbstverteidigung Mittwoch: Basketball. Donnerstag: Futsal… das ist Hallenfußball. Freitag: Futsal und Badminton Samstag: Basketball Sonntag: Selbstverteidigung. Das Prinzip beim Roten Stern Nordost heißt Selbstorganisation. Sie tauschen Hallenzeiten gegen Engagement und kommen damit auch den kleinsten Geldbeuteln entgegen. Und bei der nächsten Vorstandssitzung Ende des Monats werden sie auch Flüchtlinge in den Verein integrieren, und auch welche, die nur den Status „Duldung“ haben. Das zum Thema Heimat.

BVB, BIER und HENKELPOTT
BVB, BIER und HENKELPOTT